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VOIGTSBERGER - RIEDENKLAU

 

Arbeitsrecht

 

In­ter­net­nut­zung am Ar­beits­platz

In vie­len Be­trie­ben gilt die pri­va­te In­ter­net­nut­zung, eben­so wie die Nut­zung des Te­le­fons zu Pri­va­tzwecken als nor­mal.

Von gro­ßen Un­ter­neh­men ab­ge­se­hen, gibt es in den we­nigs­ten Fäl­len ar­beits­ver­tragl­iche Re­ge­lun­gen zur pri­va­ten Nut­zung des In­ter­net­zu­gangs am Ar­beits­platz.

Die Recht­spre­chung da­zu ist noch un­ein­heit­lich.

Ei­ni­ge Ar­beits- und Lan­des­ar­beits­ge­rich­te ge­hen wohl von ei­ner still­schwei­gen­den Dul­dung der pri­va­ten Nut­zung durch den Ar­beit­ge­ber aus, wenn er in sei­nem Be­trieb kein aus­drück­li­ches Ver­bot aus­ge­spro­chen hat. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt als höchs­tes Deut­sches Ar­beits­ge­richt sieht dies je­doch nicht so.

Der Ar­beit­neh­mer hat sich durch sei­nen Ar­beits­ver­trag ver­pflich­tet, wäh­rend der Ar­beits­zeit zu ar­bei­ten und des­halb ge­ra­de nicht pri­va­te Din­ge zu er­le­di­gen. Des­halb ver­letzt nach Da­für­hal­ten des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes der Ar­beit­neh­mer bei ei­ner pri­va­ten In­ter­net­nut­zung wäh­rend sei­ner Ar­beits­zeit sei­ne ver­trag­lich ge­schul­de­te Leis­tungs­pflicht (Az. 2 AZR 386/05).

Da die Rechts­la­ge un­klar ist, emp­feh­len wir, die Fra­ge der pri­va­ten In­ter­net­nut­zung zu re­geln. Dies kann durch ein voll­stän­di­ges Ver­bot der pri­va­ten In­ter­net­nut­zung ge­sche­hen. Der Ar­beit­ge­ber hat dann aber auch da­rauf zu ach­ten, dass die­ses Ver­bot nicht auf­weicht, weil be­kannt­lich nichts so heiß ge­ges­sen wird wie es ge­kocht wird.

Wir emp­feh­len da­her Ar­beit­ge­bern eher, die pri­va­te Nut­zung des In­ter­ne­tes in ein­ge­schränk­ten Um­fang zu er­lau­ben. Dies kann durch ei­ne schrift­li­che Ver­ein­ba­rung als Er­gän­zung zum Ar­beits­ver­trag ge­sche­hen. In ei­ner sol­chen Re­ge­lung soll­te dann der er­laub­te Um­fang der Nut­zung so klar und de­tail­liert wie mög­lich auf­ge­zählt wer­den. Die Re­ge­lung soll­te al­so ent­hal­ten:

 –  ma­xi­ma­le Dau­er der Nut­zung pro Tag/Wo­che/Mo­nat oder Re­ge­lung, dass nur wäh­rend der Pau­sen pri­vat ge­surft werden darf,

–   Ver­bot be­stimm­ter In­ter­net­sei­ten (Por­no­gra­phi­sches etc.) und In­ter­net­nut­zung (Chat­-Pro­gram­me, Fi­les­ha­ring, etc.),

–   Kon­troll- und Lö­schungs­be­fug­nis des Ar­beit­ge­bers,

–   Sank­tio­nen bei Nicht­be­ach­tung und Wi­der­rufs­vor­be­halt.

In Be­trie­ben, in de­nen ein Be­triebs­rat vor­han­den ist, ist die Nut­zungs­er­laub­nis des In­ter­ne­ts zu pri­va­ten Zwe­cken zweck­mä­ßi­ger­wei­se über ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung zu re­geln.

Ist in ei­nem Be­trieb die pri­va­te In­ter­net­nutzung grund­sätz­lich ver­bo­ten, be­rech­tigt ein Ver­stoß da­ge­gen noch nicht so­gleich zur Künd­igung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses. Grund­sätz­lich muss der Ar­beit­ge­ber zu­nächst ab­mah­nen. Dies gilt nach ober­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung so­gar, wenn der Mit­ar­beit­er zu­vor so­gar ei­ne aus­drück­li­che Er­klä­rung un­ter­zeich­net hat, die jeg­li­che In­ter­net­nut­zung un­ter­sagt (LAG Rhein­land-Pfalz, Az. 6 Sa 682/09).

Im Fal­le be­absichtigter Kün­di­gung muss der Ar­beit­ge­ber so­gar nach­wei­sen, dass ge­ra­de durch die In­ter­net­nut­zung ei­ne er­he­blic­he Be­ein­träch­ti­gung der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Leis­tung er­folgt ist.

 Für Rück­fra­gen und Prob­le­me zu die­sem The­menkreis ste­he ich Ih­nen ger­ne zur Ver­fü­gung.

 

Oli­ver Die­wald, Rechts­an­walt und Fach­an­walt für Ar­beits­recht

o.diewald@voigtsberger-riedenklau.de